Depression behandeln… 
… mit Psychotherapie und Möglichkeiten zur Selbsthilfe…

Depressionen, oder auch depressive Episoden, sind heute ein gängiger Begriff und gehören zu den psychischen Störungen die sehr häufig diagnostiziert werden - leider.

Laut AOK, waren es 2022 in Deutschland 9,94 Mio. Menschen bei denen eine Depression diagnostiziert wurde - die Zahlen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe werden noch deutlicher, in ihrem Deutschland Barometer Depression sprechen sie von 45% der Bundesbürger die betroffen sind, entweder direkt (selbst erkrankt) oder indirekt (erkrankte Person in der Familie). In der Erhebung von 2021 wurde ermittelt, dass jeder 5. Beschäftigte schon einmal an einer Depression erkrankt ist.

Die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher, da nicht jeder Betroffene reagiert oder einer leichten depressiven Episode einen Krankheitswert zugesteht.

Die Symptome einer Depression lassen sich unter Umständen auch gerne mit den Worten abtun - „im Moment habe ich irgendwie keine Lust auf gar nichts“, „ich schaffe zur Zeit nur das Nötigste“, „mir fehlt gerade die Kraft für xyz“, oder so ähnlich. Innerlich sprechen wir meist anders mit uns - da machen wir uns nieder, dass wir „wieder nichts geschafft haben“, „zu faul sind“, „nur im Bett rumliegen, obwohl wir nicht mal schlafen können“, und so weiter.

Und so vergehen im Schnitt 20 Monate (Stiftung Deutsche Depressionshilfe), also mehr als 1,5 Jahre bis sich Betroffene um Hilfe bemühen - in denen der Alltag immer schwieriger zu bewältigen ist, das Gefühl der Schwere zunimmt, das Gedankenkarussell sich immer tiefere Spiralen gräbt und man immer weniger Antrieb hat sich mit den schönen Dingen des Lebens zu befassen, wenn man sie überhaupt noch sehen kann.

Die erste Anlaufstelle ist in der Regel der Hausarzt, oder ein Psychotherapeut/Psychologe - wichtig ist, dass zuerst die organischen Ursachen abgeklärt werden. Denn es ist auch durchaus möglich, dass zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung oder ein Nährstoffmangel die depressiven Symptome hervorrufen.

Wenn keine körperlichen Gründe für die Symptome vorliegen, muss eingeschätzt werden wie schwerwiegend die depressive Episode ist und ob es zusätzlich zur Psychotherapie auch medikamentöse Unterstützung braucht.

Es gibt die unterschiedlichsten Herangehensweisen um das Thema Depression psychotherapeutisch zu begleiten. Entscheidend ist, dass die Methode zum Patient passt und die Therapeuten-Patienten Beziehung eine gute und vertrauensvolle Basis darstellt.

Bei einer Depression gibt es keine eindeutige Ursache oder den einen Auslöser, meist handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren und diese gilt es herauszuarbeiten.

In der Psychotherapie werden deshalb persönliche Lebenserfahrungen (Traumatisierungen, Krankheiten) und die aktuellen Auslöser (Verlusterlebnisse, Überlastung) beleuchtet. Es werden unterdrückte Bedürfnisse wieder freigelegt und die alten Denkmuster und Glaubenssätze hinterfragt die uns oft schon ein Leben lang begleiten - meist haben wir uns diese in der Kindheit angeeignet oder übernommen - und diese werden uns dann irgendwann zum Verhängnis.

Ein Beispiel: wir haben als Kind gelernt, dass wir nicht Nein sagen dürfen und dass man uns nur mag, wenn wir brav sind, wenn wir alles perfekt machen, etc. - mit dieser Erwartungshaltung an uns selbst gehen wir in die Welt hinaus und laden uns zu viel auf, weil wir nicht Nein sagen können, passen uns an, auch wenn wir uns nicht gut dabei fühlen, denn wir glauben, dass wir ja nicht anecken dürfen um dazuzugehören und jedes Scheitern, jeder Fehler egal wie gross oder klein ist für uns ein totales Versagen, und wir verpassen uns sofort den „Versager“ Stempel, denn wir akzeptieren nichts anderes als perfekt, das ist das Minimum.

Und da jedes Leben Herausforderungen mit sich bringt, manchmal kleinere und manchmal durchaus sehr einschneidende Erfahrungen - sind wir irgendwann gefordert unsere Denkmuster, Glaubenssätze und Handlungsweisen zu überdenken - und eine depressive Episode lädt uns dazu ein.

Die Psychotherapie kann dabei helfen sich diese Denkmuster anzuschauen, zu hinterfragen und dann neue, passendere Glaubenssätze zu integrieren. Die Psychotherapie kann einen Blick auf das System und die Funktionsweise des Einzelnen werfen, damit auch hier klar werden kann ob diese Rolle die richtige ist. Ein Psychotherapeut ist begleitend und unterstützend an der Seite des Patienten um Mechanismen aufzuzeigen und Werkzeuge an die Hand zu geben, damit es die depressiven Symptome irgendwann nicht mehr braucht. Der Patient lernt die Anzeichen zu erkennen und handlungsfähig zu bleiben.

Und was kannst du selbst tun, wenn du das Gefühl hast, gerade in einem Stimmungstief festzustecken? 

  • Nach draussen gehen. In die Natur, an die frische Luft, Spazierengehen oder dich in einer anderen Form körperlich bewegen. Sport ist eine wunderbare Art der depressiven Verstimmung etwas entgegenzusetzen.
  • Für dein körperliches Wohl sorgen, indem du darauf achtest ausgewogen zu essen und frisch zubereitete Nahrung zu dir zu nehmen.
  • Du kannst dir einen einfachen Tages-/Wochenplan zu machen, mit kleinen Zielen die du dann feierst wenn du sie erreicht hast.
  • Dich in die Dankbarkeit begeben - jeden Tag 3 Dinge aufschreiben, die heute schön waren, gut gelaufen sind, für die du dankbar bist, die dir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert haben.
  • Dir rechtzeitig Hilfe holen, wenn du merkst, du kommst aus den Stimmungstiefs immer schwerer heraus oder immer schneller wieder hinein.

Mein persönlicher Blick auf das Thema Depression:

Es ist eine Einladung des Lebens, dich endlich um dich selbst zu kümmern. Dich und deine Bedürfnisse zu priorisieren, auszumisten und dich neu zu definieren. Es geht darum zu fühlen, es sich erlauben und zuzugestehen, auch die „unbeliebten“ Gefühle zu leben und zu integrieren.

„Gefühle bedeutet: Geh hin und fühle!, und nicht: Geh hin und verdränge…Sonst hiesse es ja Gedränge“ :-) (Netzfund)